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Apple iPad – Ein Ding für die Marktforschung?

28 Januar 2010 2 Comments

Steve Jobs hat es offiziell vorgestellt, das Apple iPad, ein überdimensioniertes iPhone mit einem hochwertigen IPS Display (Multitouch), 1024x768er Auflösung bei 9,7″ Bildschirmdiagonale. Dank WiFi, 3G und Bluetooth ist es für die mobile Welt ausgerüstet und weckt sicherlich auch als Device für Befragungen breite Aufmerksamkeit.

Wie passt das iPad zum Marktforscher?

Technisch lassen mehrere Punkt aufhorchen. Neben der Verfügbarkeit des Internets – und damit der Möglichkeit Online-Befragungen jederzeit durchzuführen – kann Apple auch mit anderen Funktionen punkten.

  • Internet-Access:
    WiFI, Bluetooth und 3G bringen das Internet auf den iPad – live!
  • IPS-Display, 1024x768px:
    Geringe Blickwinkelabhängigkeit und guter Farbwiedergabe ermöglicht gemeinsames Betrachten von Webseiten / Multimedia
  • Winkel-Sensor:
    Ermöglicht einfaches umdrehen des Displays zum Probanden (z.B. um Bilder zu zeigen)
  • Multitouch-Events:
    Erweitern die Interaktionsmöglichkeiten durch den Probanden – “zeigen sie auf die Bildelemente die Sie gut finden” *
  • Location based services:
    Dank GPS kann ich genau messen wo sich der Interviewer mit seinem Proband befindet. Das geht auch offline, nun kann ich aber im Fragebogen aktiv darauf reagieren und Fragen ad-hoc variieren.

Der wichtigste Punkt aber für den Marktforscher: Das schicke Design des Apple iPad wird neugierige Probanden anlocken, die an Befragungen teilnehmen wollen.

Und was passt nicht so ganz?

Aber es ist wahrlich nicht alles Gold was glänzt. Apple ist sich noch immer nicht mit Adobe einig geworden, was die Integration des Flash-Players angeht. Somit stehen RIA’s (Rich Internet Applications) wie z.B. interaktive Heatmap-Grafiken oder Flash basierte Page-Flips, nicht zur Verfügung.

  • Kein Flash:
    Und damit eine stark eingeschränkte Möglichkeit der Nutzung interaktiver Elemente
  • Kein Multitasking:
    Auf iPhone OS basierend erlaubt deren Version 3.x noch immer kein Multitasking. Damit ist auch die Integration von (beliebigen) iPad Applikationen in Befragungen unmöglich. Ein Update ist hier aber demnächst wahrscheinlich.
  • Eingeschränkte Web-API:
    Bei weitem nicht alle Funktionen des iPad sind für Web-Applikationen verfügbar, das Blättern durch ein Magazin erfordert so eine entsprechende App.
  • Keine Kamera:
    Wurde sie nicht rechtzeitig fertig? Sollen Kunden das iPhone (Version 4) an das iPad connecten? Der Grund bleibt verborgen, der Mehrwert für den Marktforscher damit auch.

*) Erfordert entsprechende Fragetypen auf Seiten der Befragungssoftware. Nicht Flash basiert.

Ist das Apple iPad der Tod von Offline-CAPI?

Das klassische Offline CAPI steht in der Fußgängerzone, am Check-In des Flughafens oder geht von Haus zu Haus (Census). Bewaffnet mit einem Handheld, (Netbook) oder Tablet. Auf diesem ist der Fragebogen mit Anweisungen für den Interviewer hinterlegt, eine Liste der zu befragenden Probanden (Quotierung), vielleicht eine Statistik der durchgeführten Interviews, Planungs- und Abrechungswerkzeuge sowie eine Möglichkeit der späteren Synchronisation.

Gründe für einen Wechsel auf das iPad? Vielleicht wenige. Der Interviewer ist hier immer noch die entscheidende Person, er stellt die Fragen nach einem vorgegebenen Muster und erfasst die Antworten des Probanden. Video’s oder Bilder präsentiert es i.d.R. auf zusätzlichen Geräten, Foto’s, Anzeigen und Zeitschriften-Cover direkt im Original.

Interessant wird es, wenn Zusatzfunktionen (Multimedia, GPS) in der derzeitigen Lösung nicht verfügbar sind oder wenn die bestmögliche Vergleichbarkeit von (Produkt)tests in Mixed-Mode Befragungen (CAPI/CAWI) erreicht werden soll. Hier bietet das iPad die vergleichbare Ausgabe der Präsentation wie am eigenen Rechner zu Hause – ohne das sich der Interviewer selbst hinter einem Laptop verstecken muss. Andere, rein ökonomische Gründe für Online-Verfahren überwiegen die neuen Möglichkeiten der verspielten Technik:

  • Die Ergebnisse liegen in “real-time” vor
  • Soziodemographische Quoten sind immer aktuell zu pflegen
  • Mixed-Mode Befragungen werden einmal programmiert, identisch für CAWI und CAPI
  • Die Releasefähigkeit und Änderungsmanagement ist jederzeit möglich
  • Eine Datenvalidierung ist frühzeitig möglich (Methodencheck, Interviewer-Vergleich)

Keine neuen Argumente, aber mit dem iPad von Apple sind diese Trümpfe wesentlich besser auszuspielen.

Empfehlung: Institute sind gut beraten zu überprüfen, wie sie den CAPI Einsatz zukünftig gestalten wollen. Ist durch das iPad oder vergleichbare Tablet-PC’s ein Arbeiten mit laufender Internetverbindung möglich, so ist die Investition in eine Offline-Lösung (Software/Hardware/Sync) ein teures, aufwendiges Unterfangen, dass man sich eventuell sparen kann. Wer bereits Online-Umfragesoftware einsetzt, der sollte kritisch prüfen ob diese nicht auch den CAPI-Ansprüchen bereits genügt. Anbieter die auch die entsprechende Administration zur Verfügung stellen, gibt es genügend am Markt.

Siehe auch: iPhone Apps für die Marktforschung

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