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Software-Test: GMI Plattform zur Validierung von Panelisten

1 Oktober 2006 No Comment

Mit der Plattform puresample.com wendet sich GMI (Global Market Insite, Inc.) an Panelbetreiber, die Probleme mit der Panelqualität durch unzuverlässige, ungewünschte Panelisten vermindern wollen.

Der Ansatz von puresample.com ist hierbei der Austausch von Informationen zu bestehenden Panelisten. Wenn ein Panelist als “Störer” identifiziert wurde, kann diese Information in die Plattform eingestellt und durch andere Panelbetreiber bei Bedarf abgerufen werden. Dazu gleicht ein Panelbetreiber seine E-Mail Adressen über einen WebService oder ein Online-Formular mit den gemeldeten Störern ab. Statt E-Mail kann man auch den MD5-Hash der E-Mail Adresse überprüfen lassen – falls man dem Service dahinter nicht traut. :-)

Das Ranking des Panelisten (Betrugslevel) hängt von verschiedenen Qualitätskriterien ab. Je nach Panel / Zielgruppe werden diese Kriterien zur Bewertung von Teilnehmern erfasst und können mit anderen Panelbetreibern ausgetauscht werden.

Integritätskriterien zur Bewertung von Panelisten

  • Widersprüchliche Angaben (CR) – der Proband behauptet er sei 16 Jahre und hat einen Hochschulabschluß
  • Fehlerhafte Identität (IF) – Der Panelist verwendet im Profil mit Namen und Daten einer anderen Person
  • Insider (II) – Der Panelist ist Mitarbeiter eines Marktforschungsunternehmens und damit kein geeigneter Panelist
  • Ungültige Angaben (IR) – Einfache Fragen werden falsch beantwortet
  • Qualitativ schlechte offene Antworten (LQ) – Der Panelist antwortet kurz und ohne inhaltlichen Mehrwert auf offene Fragen
  • Mehrfachteilnahme (MP) – Teilnehmer mit mehreren Accounts in einem Panel
  • Schnellklicker (SP) – Der Panelist antwortet so schnell auf Fragen, dass er dies nicht gelesen haben kann
  • Muster/Linienklicker (SL) – Panelist, der z.B. bei Matrixfragen immer eine Reihe durchklickt
  • Surveybot (SB) – Script, dass Formulare automatisch ausfüllt, keine reale Person

Der Service von GMI steht derzeit kostenlos zur Verfügung.

Test der Applikation


E-Mail Verifizierung

Das Portal von GMI ist seit der Esomar, Mitte September online. Wer E-Mail Adressen überprüfen will, kann dies ohne Authentifizierung per Formular oder CSV-File auf der Plattform machen. Wer hier E-Mail Adressen einträgt oder hochlädt, tut dies ohne SSL-Verschlüsselung und verstößt damit möglichweise grob gegen die selbst auferlegten Datenschutzbestimmungen.

Die MD5-Variante ist hier eleganter. Diese ist sicher und nicht umkehrbar, d.h. es kann kein Rückschluß auf die dahinter stehende E-Mail Adresse gezogen werden. Aber: Die MD5-Hashes könnte derjenige, der diese auf dem Weg zur Verifizierung “abgreifen” kann, gegen den eigenen Adressbestand abgleichen und so herausfinden, ob und welche Doppler vorkommen.

Die Nachrüstung von SSL ist daher dringend zu empfehlen.

E-Mail Adressen melden

Wer “Störer” melden möchte, muss sich zunächst auf der Site registrieren. Hier hat GMI einen dicken “Bock” geschossen. Kein double-opt-in Verfahren verifiziert den User und das Registrierungsformular erlaubt die Zuordnung zu beliebigen Organisationen.
Ich habe hier mal das vorgeschlagene Unternehmen “GMI” ausgewählt und ansonsten einen validen Account angelegt. Hinzuzufügen sei hier auch, dass beim Passwort-ändern das Passwort im Klartext übertragen wird, man sollte also kein anderweitig genutztes Passwort einstellen.

Nach der Registrierung kann man dann E-Mail Adressen “melden”. Einzeln oder ebenso wie bei der Abfrage über einen CSV-Import. Letzterer wird im Format:

email@address.com, infraction type id, comment

übertragen.

Ist eine E-Mail Adresse aus verschiedenen o.g. Gründen als Panelist nicht erwünscht, muss diese E-Mail für jeden Fehlertyp noch einmal separat importiert werden. Der “RRI” (Respondents Reliability Index) für eine E-Mail rechnet sich dann als Summe der (gewichteten) Einzelnennungen. Doppelte Accounts, Fehlerhafte Identität und Bot werden hier mit 3fachem Gewicht eingerechnet.

Die gemeldeten Adressen (E-Mails, keine MD5) sind sofort mit Datum der Meldung, Quelle (in meinem Fall “GMI” ;-)) und einem Kommentar für die Validierung abrufbar.

Validierung eines MD5-Hashes

Fehlerhafte Einträge

Wer seine Adresse hier als “gebrandmarkt” vorfindet, kann bisher nur über das Kontaktformular die Löschung des Eintrages beantragen – sicherlich ein Feature, was in den nächsten Wochen noch nachgezogen wird.

WebServices

GMI bietet einen WebService (XML RPC) an mit dem man eine automatische Anbindung an sein Panel implementieren kann – der Umfang deckt sich mit den online angebotenen Funktionen.

Fazit

Gut gemeintes Feature – wohl aber für die Esomar schnell zusammengestrickt (Auch noch am SSL-Zertifikat der Domäne esomar.gmi-mr.com zu erkennen).

Derzeit gibt es wohl noch kein Konzept, wer hier eigentlich Daten einpflegen soll und wie der Prozess genau aussehen soll. Durch das fehlenden Authentifizierungskonzept ist es derzeit für Panelbetreiber nicht zu empfehlen, Adressdaten über puresample.com abzugleichen. Auch die durch GMI eingeführte Codierung der Integritätskriterien dürfte nicht jedem Kunden vertraut sein.

Quelle: eigene Recherche / puresample.com

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