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Umfrage am Wahlsonntag: Prognosen auf Basis von exit-polls

1 März 2005 No Comment

Was die Wahlforschung leisten kann, demonstriert sie regelmäßig bei Schließung der Wahllokale am Wahlsonntag. Nur wenige Minuten danach gibt es kaum noch Zweifel über Sieger und Verlierer. Über Koalitionsmöglichkeiten darf spekuliert werden, und nur die Parteien dicht an der Fünf-Prozent-Hürde bringen noch ein wenig Spannung in den Fernsehabend.

Mit der Wählerbefragung am Wahltag nach Verlassen des Wahllokals (exit polls) verfügt die Wahlforschung über ein zuverlässiges Prognose-Instrument. In einer Stichprobe von 200 bis 300 Stimmbezirken geben die ausgewählten Personen unmittelbar beim Verlassen des Wahllokals Auskunft. Gefragt wird nach der Stimmabgabe (Erst- und Zweitstimme) und einigen sozialstrukturellen Daten wie Alter, Geschlecht, Schulbildung, Berufsgruppenzugehörigkeit, Konfession. Auf dieser Basis lässt sich noch am Wahlabend eine erste Analyse des Wahlverhaltens vornehmen und herausfinden, welche Gruppen welche Parteien gewählt haben und welche Wählerwanderungen im Vergleich zur vorangegangenen Bundestagswahl es gegeben hat.

Im Unterschied zu Umfragen werden hier nur diejenigen befragt, die tatsächlich gewählt haben. Abgefragt wird gerade vollzogenes Verhalten und nicht eine vage Absicht. Die Stichprobe ist zudem weitaus größer als bei Umfragen. So ist diese Befragung ein verlässliches Prognoseinstrument.

Die Nachteile: In normalen Umfragen lassen sich viel mehr Fragen stellen. Über diejenigen, die nicht gewählt haben, sowie über die Hintergründe und Motive der Wahlentscheidung bringen die exit polls nichts in Erfahrung.

Je mehr tatsächliche Wahlergebnisse vorliegen, desto mehr werden die exit poll-Daten durch die Wahlbezirks-Ergebnisse ersetzt. Mit der ersten Hochrechnung am Wahlabend sind sämtliche Umfragen vergessen. Sie ist in der Regel näher am Endergebnis als die verlässlichste Prognose – die Abweichungen liegen meist unter einem Prozentpunkt. Bei den Stimmbezirken, die für Hochrechnungen genutzt werden, handelt es sich um eine Auswahl, also um eine Stichprobe aus allen Wahlbezirken.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

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