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Politiker mit einfachen Namen haben größere Chancen

11 Mai 2005 One Comment

Studie beweist Zusammenhang zwischen Eigennamen und Wahlerfolg: Demnach hätte Christian Wulff bessere Chancen als Angela Merkel

Köln (ots) – Der eigene Name kann für Politiker von großem Vorteil sein oder zum Stolperstein werden, wenn es um Wahlen geht. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Endmark AG, die seit vielen Jahren Markennamen entwickelt und testet. Die Namensentwickler wissen daher, dass sich Produkte, deren Namen bestimmte Kriterien erfüllen, besser verkaufen als andere. Um herauszufinden, ob das auch für Personen gilt, untersuchte die Agentur das Abschneiden der Spitzenkandidaten sämtlicher Bundes- und Landtagswahlen der letzten 25 Jahre.

Als Ergebnis konnten zwei eindeutige Erkenntnisse gewonnen werden:

  1. Einfache, kurze und typisch deutsche Namen haben wesentlich bessere Wahlchancen als lange, unübliche, fremdsprachliche oder Doppelnamen.
  2. Sofern adelige gegen bürgerliche Namen antreten, schneiden Adelstitel stets besser ab.


Gerhard Schröder ist ein prototypischer, gesamtdeutscher Durchschnittsname. Gegen ihn hatte es ein Edmund Stoiber mit seinem bayrisch-süddeutschen Nachnamen bei der Bundestagswahl 2002 schwer, in nördlicheren Regionen Mehrheiten zu gewinnen. In Sachen “Durchschnittlichkeit” und “typisch deutsch” liegt der Ministerpräsident des Saarlandes klar vorne. Durchschnittlicher und bodenständiger als Peter Müller kann man in Deutschland kaum heißen.

Nach diesen Maßstäben hatte sein letzter Konkurrent, Heiko Maas, wenig Chancen. Auch Roland Koch und Kurt Beck sind derartig typische Durchschnittsnamen mit entsprechend guten Wahlaussichten.

Sofern sich unter den Spitzenkandidaten der untersuchten Wahlen einer mit adeligem Namen befand, machte dieser jeweils das Rennen gegen seinen bürgerlichen Konkurrenten. Ole von Beust gewann 2001 in Hamburg gegen Ortwin Runde; einige Jahre zuvor setzte sich ebenfalls in Hamburg Klaus von Dohnanyi gegen Walter Leisler Kiep (1982) und Hartmut Perschau (1986) durch. Und Richard von Weizsäcker gewann 1981 in Berlin gegen Hans-Jochen Vogel.

Politiker mit hugenottischen Namen oder solchen, die auf ausländische Vorfahren schließen lassen, haben meist die schlechteren Karten. Zwar kann man damit auch gewählt werden, wie Oskar Lafontaine einst im Saarland bewies oder Lothar de Maizière bei der letzten Volkskammerwahl der DDR. Aber wenn die politische Großwetterlage ungefähren Gleichstand signalisiert und der direkte Konkurrent einen einfachen und klaren deutschen Namen trägt, wirkt ein ausländisch klingender Name nachteilig.

Bernd Samland, Vorstand der Endmark AG und Politikwissenschaftler, erstaunen die Ergebnisse nicht. “Während im Showbusiness immer noch exotische Namen Vorteile bringen, wünscht sich der Bürger offensichtlich entweder Volksvertreter mit einfachen, bodenständigen Namen, die ihm bekannt vorkommen – oder er vertraut auf eine unterstellte Kompetenz des Adels.” Aus dieser Sicht scheint – wenn auch nicht vom Volk direkt gewählt – Horst Köhler ein prima Name für einen deutschen Bundespräsidenten, aber ein weniger guter für einen Schlagersänger zu sein. Daher war es folgerichtig, dass sich der Trierer Sänger Horst Köhler bereits Anfang der 90er Jahre in “Guildo Horn” umbenannte.

Überträgt man die gesammelten Erkenntnisse auf die anstehenden Wahlen in NRW, dann herrscht in Sachen Nachnamensattraktivität ein Patt zwischen Peer Steinbrück und Jürgen Rüttgers. Bei den Vornamen könnte “Jürgen” einen leichten Bonus vor dem in NRW nicht ganz so gebräuchlichen “Peer” für sich in Anspruch nehmen.

Bei einer Bundestagswahl hätte übrigens – unter rein namenspsychologischen Gesichtspunkten – Christian Wulff erkennbar
bessere Chancen gegen Gerhard Schröder als Angela Merkel.

Untersucht wurden 77 Landtags- und sieben Bundestagswahlen seit 1980. Die Initiatoren der Studie sind sich der Tatsache bewusst, dass es bedeutendere Faktoren als die Namen der Kandidaten gibt, die eine Wahlentscheidung beeinflussen. Wenn sich allerdings die übrigen Parameter von zwei konkurrierenden Kandidaten ausgeglichen darstellen, kann der Name von wahlentscheidender Bedeutung sein.

Schließlich sind es letztendlich außer den Namen der Parteien nur die Namen der Kandidaten, mit denen der Wähler in der Wahlkabine alleine ist.

Pressekontakt:
Andreas Tenhafen
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One Comment »

  • Meggi said:

    Guten Tag!
    Ich habe den Artikel aufgrund von Zeitnot leider nur überfliegen können. Ich finde es sehr traurig, dass das wesentliche der Politik – laut der Studie- gar nicht erstrangig ist. Daraus könnte man schließen, dass entweder die Wähler nicht genug Interesse entwickeln oder es einfach keine gute Politik gibt. Für beide gibt es bekanntlicherweise keine Garantie…
    Mit Freundlichen Grüßen
    Meggi S.