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Personalberatung in Deutschland 2004/2005

13 Mai 2005 One Comment

Die Personalberaterbranche in Deutschland hat die Talsohle im Jahr 2004 verlassen und ist wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt.
Im Vergleich zum Vorjahr 2003 stieg der Gesamtumsatz der Branche um knapp 16 Prozent auf 880 Millionen Euro (2003: 760 Millionen Euro).
Besonders gesucht wurden Vertriebsspezialisten, Ingenieure, Verkaufsleiter und Controller. In den letzten drei Jahren war
besonders die Klientennachfrage nach dem Kerngeschäft der Personalberater – die Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften
– zurückgegangen. Dies sind Ergebnisse der Studie Personalberatung in Deutschland 2004, die der Bundesverband Deutscher
Unternehmensberater BDU e.V. beim auf dem Petersberg bei Bonn stattfindenden 7. Deutschen Personalberatertag vorstellte.

Für das Jahr 2004 gaben 87 Prozent der befragten Personalberatungen an, dass ihr Umsatz im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Vor allem die Top-20 verzeichneten mit einem Anteil von 95 Prozent ein Umsatzplus, bei den mittelgroßen (Jahresumsatz bis ca. 4,5 Mio. Euro) waren es immerhin 90 Prozent und bei den kleineren (Jahresumsatz unter 500.000 Euro) 82 Prozent. Rund 1.700 Personalberatungsfirmen boten ihre Dienstleistungen an und beschäftigten dabei etwa 4.000 Berater. Die Zahl der Suchaufträge stieg von 40.800 im Jahr 2003 auf 41.500 im Jahr 2004. Auf die Top-20 der Personalberatungsbranche entfiel mit 355 Millionen Euro rund 40 Prozent Marktanteil. Bei den mittelgroßen Beratungsfirmen betrug der Anteil 33 Prozent (290 Millionen Euro), bei den kleineren 27 Prozent (235 Millionen Euro). Die Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften ist mit Abstand das Kerngeschäft der Personalberater. 85 Prozent des Branchengesamtumsatzes entfällt auf dieses Beratungssegment (2003: 79 Prozent). Dies entspricht in absoluten Zahlen einem Umsatz von 748 Millionen Euro.

Kandidaten sind in Gehaltsfragen kompromissbereiter

Die aufgrund des angespannten Arbeitsmarktes weiterhin ausgeprägte fehlende Wechselbereitschaft und die weit verbreitete Immobilität
der Kandidaten haben den Personalberatern auch 2004 Schwierigkeiten bereitet. Beim Abschluss eines neuen Vertragsverhältnisses wächst
auf der anderen Seite die Bereitschaft, sich auch in Gehaltsfragen kompromissbereiter zu zeigen. “Die lange üblich gewesenen 10 bis
15-prozentigen Gehaltssteigerungen beim Jobwechsel werden von den Kandidaten nicht mehr automatisch erwartet. Attraktive Angebote zur
Weiterbildung oder Programme zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit/Familie stehen alternativ hoch im Kurs”, weist Dr. Wolfgang
Lichius, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung, auf veränderte Rahmenbedingungen hin. Auf der Klientenseite sei
feststellbar, dass die Suchprofile, die den Personalberatern bei neu zu besetzenden Positionen vorgelegt werden, immer komplizierter
würden. Die Unternehmen definierten ihre Kandidatenprofile überaus eng und neigten zunehmend zu kaum erfüllbaren
Qualifikationsanforderungen, so Lichius. Infolgedessen und durch teilweise schleppende Einstellungsentscheidungen in den Unternehmen
verlängere sich der Zeitraum zwischen der Beauftragung des Personalberaters und der Vertragsunterzeichnung durch die
Wunschkandidaten. Augenscheinlich wird dies bei den Antworten auf die Frage in der Studie, ob sich die durchschnittliche Dauer bis zur endgültigen Stellenbesetzung in den letzten beiden Jahren verändert hat. Bei der Anzeigensuche nannten 33 Prozent eine gestiegene
Laufzeit (gesunken: 11 Prozent), bei der Direktansprache sogar 63 Prozent (gesunken: 9 Prozent).

Öffentliche Hand sucht verstärkt die Unterstützung durch Personalberater

Unverändert kam auch 2004 die stärkste Klientennachfrage mit einem Anteil von 47 Prozent (2003: 42 Prozent) aus dem verarbeitenden
Gewerbe. Die TIMES-Branche mit einem Anteil von fünfzehn Prozent sowie die Finanzdienstleistungsbranche mit neun Prozent folgen auf
den weiteren Plätzen. 2005 erwarten die Personalberater vor allem aus der Investitionsgüterindustrie, der TIMES-Branche, der
Finanzdienstleistungsbranche sowie dem Öffentlichen Sektor größere Impulse für ihr Geschäft. In den genannten Branchen sagen jeweils
mehr als 50 Prozent, dass die Nachfrage in diesem Jahr voraussichtlich steigen wird. Die TIMES- und Finanzdienstleistungsbranche würde bei dieser prognostizierten Entwicklung ihre über mehrere Jahre feststellbare Nachfragezurückhaltung aufgeben und vermehrt in neues Personal
investieren. In der Öffentlichen Hand wurden bislang bei der Suche von Fach- und Führungskräften noch zögerlich Personalberater
hinzugezogen. Da aber nun vermehrt Kandidaten mit Erfahrung und Know-how aus der Wirtschaft gesucht werden, entsteht hier ein
Wachstumsfeld für die Branche in Deutschland.

Vergütung erfolgt überwiegend nach Festhonoraren

Bei der Zusammenarbeit von Klienten und Personalberatern werden überwiegend Festhonorare vereinbart. 83 Prozent der Verträge
enthalten Festhonorarregelungen nach Projektfortschritt. Knapp zehn Prozent Anteil entfällt auf Festhonorare nach Zeitfortschritt. Nur
acht Prozent der Personalsuchaufträge werden mit einem Erfolgshonorar abgeschlossen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V.
Klaus Reiners (Pressesprecher)
Zitelmannstraße 22
53113 Bonn
Tel.: 0228/9161-20 oder 0172/23 500 58 oder eMail: rei@bdu.de

Quelle: bdu.de

One Comment »

  • Torsten Kapmeier said:

    Dies ist eine realistische Zusammenfassung der untersuchten Personalberatungen, die auch unserem Geschäftsverlauf entspricht. Als kleine, seriöse Personalberatung haben wir – um existieren zu können- selbstverständlich höhere Umsatzgewinne machen müssen. Immer mer setzt sich die Geschwindigkeit und Qualität auch beim Kunden für die Auswahl einer Personalberatung durch, wodurch letztendlich unser Fleiß belohnt wurde.
    Diese kurze Zusammenfassung läßt nach unseren Erfahrungen aber leider die Veränderung der gesamten Executive Search Branche durch den demographischen Wandel außen vor. DEnnoch ein sehr guter Beitrag, der uns, sobald der Umsatz reicht, sicher über eine Mitgliedschaft im BDU nachdenken lassen sollte.