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Hauptversammlung im Internet – Aktionäre im Netz

8 April 2005 No Comment

Die Hauptversammlung ist ein Top-Termin für den engagierten Aktionär – aber wer kann schon persönlich überall hin? Die Lösung heißt Internet. Und immer mehr DAX-Konzerne bieten diese Lösung auch an, wie eine aktuelle Umfrage von boerse.ARD.de zeigt.

Es gehört mittlerweile zum guten Ton, dass Hauptversammlungen nicht nur im realen, sondern auch im virtuellen Raum abgehalten werden.

Inzwischen strahlen immerhin 29 der 30 Dax-Gesellschaften die Rede ihres Vorstandschefs auf der Aktionärsversammlung im Internet aus. Das ergab eine Umfrage von boerse.ARD.de unter den im Deutschen Aktienindex notierten Gesellschaften.

Geht es um die Übertragung der gesamten HV einschließlich der spannenden Generaldebatte, sind die Unternehmen weit weniger offenherzig. Nur 13 Gesellschaften übertragen auch die Diskussionsrunde, die sich an die Reden von Vorstand und Aufsichtsrat anschließt. Dabei wird es bisweilen gerade hier richtig spannend – so wie gerade erst bei DaimlerChrysler. Vorstandschef Jürgen Schrempp dürfte es da ganz recht gewesen sein, dass sich hier niemand via Internet zuschalten konnte. Der PR-Profi kennt die Macht der Bilder.

Meist ist dieser Teil der HV, sofern er im Web übertragen wird, nur den angemeldeten Aktionären vorbehalten. Allein MAN, RWE und ThyssenKrupp sind in Sachen Transparenz sehr aufgeschlossen: Sie übertragen die gesamte HV auf ihrer Webseite für jedermann zugänglich.

Proxy Voting wird immer beliebter

Um als modernes und zukunftsorientiertes Unternehmen zu gelten, müssen die Unternehmen aber noch mehr bieten: nämlich die Online-Abstimmung über die Tagesordnungspunkte der Hauptversammlung. Das so genannte “Internet proxy voting” ermöglichen nach der Umfrage von boerse.ARD.de bereits 25 der 30 Werte, nachdem es vor zwei Jahren gerade einmal 14 waren. Hier ist die Conti vorn mit dabei. Dagegen bieten BMW, Fresenius Medical Care, Schering, TUI und Volkswagen ihren Aktionären nicht die Möglichkeit, ihr Votum per Mausklick abzugeben.

Gut die Hälfte der Dax-Unternehmen erlaubt sogar eine Änderung der Weisungen noch während der Hauptversammlung. Zehn Unternehmen warten selbst das Ende der Generaldebatte ab, bis sie die Internet-Teilnahme abschließen. So können Aktionäre ganz aktuelle Stimmungen und eventuell auch neue Nachrichten bei ihrer Stimmrechtsabgabe berücksichtigen.

Vorteile für Unternehmen

Die Gesellschaften dürften vom Angebot der Online-Abstimmung durchaus profitieren. Denn seit Jahren beklagen sie eine rückläufige Präsenzquote auf den Aktionärsversammlungen. Hintergrund ist, dass viele Sparkassen, Volksbanken und Online-Broker die Stimmrechte ihrer Kunden nicht mehr vertreten. Durch virtuelle HVs könnte die Präsenzquote wieder steigen, die durchschnittlich bei unter 50 Prozent liegt.

Zumindest mittelfristig könnten die Unternehmen zudem Kosten sparen. Denn die klassische Hauptversammlung mit Törtchen und Kanapees dürfte bei zunehmender Akzeptanz der Internet-Teilnahme bald in kleinerem Rahmen ausfallen.

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