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Anonyme Umfrage zu Studien: Forscher manipulieren Studien

9 Juni 2005 No Comment

Die Welt / Minneapolis – Mogeleien sind unter Wissenschaftlern nicht selten. Das zeigt eine anonyme Umfrage in den USA, deren Ergebnisse heute “Nature” publiziert. In den zurückgesandten Fragebögen gaben 33 Prozent der Forscher an, in den letzten drei Jahren mindestens einmal fragwürdig gehandelt zu haben. Die Autoren nehmen an, daß diese kleinen, aber “regelmäßigen” Fehltritte dem Wissenschaftsbetrieb mehr schaden als spektakuläre Fälle von Betrug.

Die Forscher um Brian C. Martinson von der HealthPartners Research Foundation in Minneapolis haben in ihrer Studie Antworten von 3247 Wissenschaftlern ausgewertet, die in den USA arbeiten und von den National Institutes of Health gefördert wurden. Die Befragten mußten angeben, welche von 16 möglichen Unredlichkeiten in den letzten drei Jahren auf sie zutrafen. Die Liste hatten die Autoren in Diskussionen mit 51 Forschern hochrangiger Universitäten erarbeitet. Zehn der Punkte galten als ernstzunehmende Vergehen, sechs lassen sich als nachlässiges Verhalten klassifizieren.

Ernstzunehmende Vergeben bei der Durchführung / Auswertung von Studien:

  • 15,5 Prozent haben mind. 1 mal Design, Methodik oder die Ergebnisse einer Studie aufgrund des Drucks eines Geldgebers verändert
  • 15,0 Prozent lassen schon mal einzelne Meßpunkte unter den Tisch fallen, wenn sie das Gefühl haben, daß diese ohnehin nicht stimmen.
  • 12,5 Prozent ignorierten/tolerierten schon mal fehlerhafte Daten von Kollegen oder fragwürdige Interpretationen
  • 6,0 Prozent Sechs Prozent haben eigene Daten unterschlagen, die vorherigen Ergebnissen widersprachen
  • “nur” 2,0 Prozent haben bereits Daten gefälscht oder von Kollegen gestohlen

Die Rücklaufquote der Umfrage lag mit 40 bis 50 Prozent zurückgeschickten Fragebögen vergleichbar zu anderen Umfragen, die Autoren rechnen aber mit fehlenden Antworten von wirklichen “Schwarzen Schafen” und glauben das die Antworten selbst eher konservativ gegeben wurden, also die Manipulationen häufiger auftreten als es die Umfrage ermitteln konnte.

Die Gründe liegen nach Ergebnissen der Studie am immensem Wettbewerb, Belastung durch Verwaltungs- und Leitungsaufgaben. Eine derzeit noch laufende Studie glaubt auch, dass eine als ungerecht wahrgenommene Verteilung von Forschungsmitteln die Unredlichkeiten im Umgang mit Studien beeinflusst.

Quelle: Die-Welt: Jeder 3. Forscher manipuliert
Siehe auch den Beitrag Was ist wissenschaftliches Fehlverhalten?

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