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Umfrageergebnisse beurteilen

Beurteilung von Umfrageergebnissen – wichtige Grundinformationen

Um die Aussagekraft von Umfrageergebnissen sowie die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Interpretation beurteilen zu können, sind Informationen über die Umfrage selbst und die Modalitäten ihrer Durchführung unumgänglich.

Des­halb verpflichten die berufsständischen Regeln des ‘IHK/ESOMAR Internationaler Kodex für die Praxis der Markt- und Sozialforschung’ die Forscher, “dem Auftraggeber sämtliche angemessenen technischen Einzelheiten eines für diesen Auftraggeber durchgeführten Forschungsprojekts zur Verfügung” zu stellen.

Aus diesem Grund sind auch Journalisten durch den Pressekodex gehalten,

“bei der Veröffentlichung von Umfrageergebnissen von Meinungsbefragungsinstituten die Zahl der Befragten, den Zeitpunkt der Befragung, den Auftraggeber sowie die Fragestellung mitzuteilen”

(vgl. Ziffer 82.0. Diese Minimalanforderung reicht jedoch allein noch nicht aus, um die Angemessenheit der Interpretation von Umfrageergebnissen vollständig beurteilen zu können.

Der ADM hat in verschiedenen Pressemitteilungen und – zusammen mit der ASI und dem BVM – in einer “Richtlinie für die Veröffentlichung von Ergebnissen der Wahlforschung” sowie zuletzt und am ausführlichsten in seinen “Standards zur Qualitätssicherung in der Markt- und Sozialforschung” die methodisch-technischen Grundinformationen aufgelistet, die notwendig sind, um die Aussagefähigkeit und Tragweite der Ergebnisse von Umfragen beurteilen zu können.

Im Bolg-Artikel Umfragen: Befragungs- und Formulierungstechnik wird auf mögliche Fehlerquellen bei der Durchführung von Befragung eingegangen. Auch der Artikel von Roy Gündel WISSENSCHAFT & ÖFFENTLICHKEIT: Statistiken in der Präsentation von Forschungsergebnissen beschäftigt sich mit diesem Thema.

Aus den oben zusammengestellten Quellen kann man die folgende Checkliste ableiten, die Erich Wiegand (Geschäftsführer des ADM) unter folgendem Link mit Erklärungen aus unterschiedlichen Publikationen erläutert.

Notwendige Grundinformationen

  • Name des Instituts
  • Aufgabenstellung der Untersuchung
  • Zielgruppe der Untersuchung (Grundgesamt)
  • Zahl der befragten Personen
  • Statistische Fehlertoleranz der Ergebnisse
  • Untersuchungszeitraum
  • Stichproben-Methode
  • Erhebungsverfahren
  • Stichproben-Ausschöpfung
  • Zahl der eingesetzten Interviewer
  • Methode und Ergebnis der Interviewerkontrollen
  • Fragebogen bzw. Fragestellung
  • Gewichtungsverfahren

Mit diesen Grunddaten können die Ergebnisse bewertet und interpretiert werden. Damit ist es dann auch für den Auftraggeber bzw. den Journalisten möglich, eine Entscheidung zu treffen, wie, wo und welche Ergebnisse der Befragung veröffentlicht werden können.

Neu hinzugekommen ist im September 2006 die DIN ISO 20252, die Begriffe und Dienstleistungsanforderungen für die Markt-, Meinungs- und Sozialforschung international festlegt und damit vergleichbar macht.

Quellen:
Erich Wiegand, Notwendige Grundinformationen
Deutsche Forschungsgesellschaft DFG, Qualitätskriterien in der Umfrageforschung
ADM e.V., “Standards zur Qualitätssicherung”, PDF: IHK/ESOMAR Kodex

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